Schloss Hellenstein im Sommer

Weniger Schreibtisch, mehr Hochsitz

Horst Bührle ist zwar nach seinen Worten eher ein "digitaler Hemmschuh". Er hofft aber, dass wegen der wachsenden Vernetzung vielleicht doch, vor allem für seinen in diesem Bereich versierten Nachfolger, die Bürokratie endlich weniger wird und dafür mehr Zeit für den Wald bleibt.

Künftig will Horst Bührle den Alltag, der dann weniger getaktet ist, einfach genießen. Er will sich mehr Zeit nehmen für die Jagd, für den Wald und für die Bücher. Auch dem Klavier will er wieder mehr Zeit widmen.

Der 62-Jährige aber muss sich künftig zumindest von Berufswegen her keine Gedanken mehr um die Digitalisierung machen. Er ist von 1. Juli an im Ruhestand. Am Donnerstag, 30. April, kommt er ein letztes Mal als Stadtförster im Dienst ins Rathaus, danach feiert der Heidenheimer seinen Resturlaub ab und überlässt seine Aufgaben seinem Nachfolger Christian Eder.

Der Försterberuf war Horst Bührle nicht vorbestimmt. Er wurde in Heldenfingen geboren. Der Bezug zum Wald stellte sich über das Draußensein einerseits und die Mutter und die Großmutter andererseits ein, die als Pflanzfrauen regelmäßig den Wald pflegten. Später besuchte er das Schiller-Gymnasium in Heidenheim, absolvierte dort den musischen Zug und fand Gefallen vor allem am Klavier.

Mit dem Abitur in der Tasche wusste Horst Bührle vor allem, dass er keinen Bürojob wollte. „Das hat mich später dann hier wieder eingeholt“, sagt er und lacht. Als sich sein Studium der Forstwirtschaft dem Ende zuneigte, munkelten die Studenten in Rottenburg, dass der Posten als Büroleiter in Wertheim frei werde. Weder er noch seinen Kommilitonen wollten diesen Job, doch sein Personalchef sagte in der Vergaberunde: „Bührle, das machst Du!“

In dem Moment sei ihm zwar die Farbe aus dem Gesicht gewichen; rückblickend aber will er die Zeit nicht missen. Es sei wichtig, den Kopf auch mal in einen anderen Bereich reinzustecken. Als die offene Stelle in Heidenheim Mitte der 80er ausgeschrieben war, bewarb er sich und wurde gewählt.

Mit seinem Chef Martin Schlierer arbeitet er zehn Jahre zusammen im Revier mit 1600 Hektar Wald samt Wildpark und allen sonstigen Aufgaben, die mit dem Wald zu tun haben. Als Schlierer 1997 in Ruhestand ging, übernahm Horst Bührle das Revier als alleiniger Stadtförster. Eine Aufgabe, die er gerne gemacht hat und die Vielfalt bot, bei der man aber auch immer wieder Kompromisse etwa bei Waldinanspruchnahme für neue Baugebiete finden musste.

Den Wald erklären, das hat Horst Bürhle immer gerne getan. Legendär sind seine Waldführungen, die er seit gut 15 Jahren für Kinder anbietet. „Die Kinder, das ist eine eigene Welt“, sagt er, weil sie unvoreingenommen in den Wald gehen. Und wenn man es interessant macht, sind sie auch ein dankbare Publikum. Damit die Kinder auch etwas zu sehen bekommen, stellt er dazu ausgestopfte Wildtiere in den Wald – die so manchen Spaziergänger aufschrecken ließen.

Künftig will Horst Bührle den Alltag, der dann weniger getaktet ist, einfach genießen. Er will sich mehr Zeit nehmen für die Jagd, für den Wald und für die Bücher. Auch dem Klavier will er wieder mehr Zeit widmen.

(Erstellt am 27. April 2021)

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